Harbach, Diakonie Kärnten
Harbacher Straße 70
9020,
Klagenfurt
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www.diakonie-kaernten.at
T: 0463 32303
Reimo Wukounig
Burgis Paier
Burgis Paier, 1949 in Klagenfurt geboren, arbeitet als Zeichnerin, Kostümbildnerin und Puppenmacherin in Klagenfurt und in Ipplis bei Udine. Sie ist berühmt für ihre skurillen und ausdrucksstarken Puppenkreationen.
Bella Ban
Geboren 1958 in Klagenfurt, Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Studienaufenthalte in Rom (Stipendium) und Berlin. Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen in Wien (Sezession), Berlin, Rom, Ljubljana, Klagenfurt. Zahlreiche Projekte und Ausstellungen mit Ehemann Viktor Rogy, Besitzerin des Café OM in Klagenfurt. 2003 Frauenkulturpreis der SPÖ (für Kunst contra Gewalt). 2004 Bühnenbild für das Musikforum Viktring und Ausstellungen in memoriam Viktor Rogy (Galerie Freihausgasse, Villach und Galerie Stadtpark, Krems).
Judith Lava
geboren am 25.11.1970 in Klagenfurt, Austria
1981 - 1989 BRG Viktring, bildnerischer Zweig, Matura
1991 - 1994 ITM, International Institut of Tourism & Management
1994 - 1996 Auslandsaufenthalt in Neuseeland
1996 - 2000 Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien; Meisterklasse Michelangelo Pistoletto, Bildhauerei; Diplom im Juni 2000
lebt und arbeitet in Wien und Klagenfurt
Peter Ahorner
17
JUNI
19.00

28
JULI
Geöffnet: Mi – So 15 – 21 Uhr, Mo und Di geschlossen
Die Interventionen und Installationen von Reimo Wukounig, Burgis Paier, Bella Ban und Judith Lava finden in dem aufgelassenen Kloster statt, das in den 50er Jahren eine Erziehungsanstalt für Kinder war. Reimo Wukounig war selbst ein Zögling in Harbach und setzt sich an diesem Ort seiner Kindheit mit seiner eigenen Vergangenheit auseinander. Burgis Paier, Bella Ban und Reimo Wukounig beziehen in den Sommermonaten das Kloster und erarbeiten ihre Beiträge vor Ort. Auch während der Dauer der Ausstellung werden die KünstlerInnen vor Ort leben, einen besonderen „Artshop“ einrichten und die Besucher selbst führen.
In Harbach verknüpfen sich mehrere Geschichten, kreuzen sich die Wege und verdichten sich die künstlerischen, sozialen und spirituellen Komponenten von Solysombra Bewegung wird Gestalt. Einst ein Ort, an dem sozial schwache, in Not geratene Menschen, Kranke und Alte Hilfe fanden, wurden später darin Kinder aus verwahrlosten Verhältnissen auch mittels gewalttätiger Erziehungsmethoden während der zeit der Nazis zu „mündigen“ Menschen erzogen. Jetzt setzen sich drei KünstlerInnen mit diesem historischen Ort kritisch und auch sehr persönlich auseinander - unter dem Motto “Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“. Die Windmühlflügel drehen sich und bewegen ein Mahlwerk, sie sind zugleich Signale und erscheinen aus jeder Sichtposition anders. Bewegung wird Gestalt.
Reimo Wukounig "VERSUCHTE RETTUNG"
Gedächtnisraum zur Disziplinierung und Eingliederung des Zöglings in die menschliche Gesellschaft, unter besonderer Beachtung seines latent schwankenden Seelenzustandes (rühr mich nicht an).
Selbstvergewisserung, das Röntgenecho (es schreit an dir vorbei/ hindurch) - spätes Bekenntnis und Sichtbarmachung vernarbter / offener Wunden.
Schattenlos die nackten Umrisse der vermessenen Gestalt.
"Langer Weg - zeig her den Ort der Kindheit, dein Gedächtnis, die Jugendsünden" - Fragmente der Nachnutzung und Restwärme erkalteter Erinnerung.
Totale (blanke) Enthüllung (Entblößung) - schützende Ummantelung und Einkleidung in seelisches Gewand. Soll er sich selbst verleugnen, verschweigen oder gar verraten? Nein! Menschliches Maß und Würde sind wieder einzuholen. Schutzlos durch vaterlose Verortung - Abwesenheit des Weiblichen - dünne Nerven meiner Mutter - (und da steht er nun- ich und du, der Zögling, nach langer Wegstrecke), sich selbst gegenüber; geläutert (beschädigt) - erleuchtet (moralisch erloschen)? Nein! Ratlos zornig, in heimatenger Beklemmung und gotischer Einsamkeit - ratlos verweilend - und die Schildkröte läuft Amok……." Reimo Wukounig (Zögling Nr. 33)
Burgis Paier "DIE TÜCHTIGE HAUSFRAU"
Ein Kunst-Sozialprojekt; ein integratives Projekt mit Frauen aus verschiedenen Teilen der Welt in Kooperation mit der Projektgruppe Frauen
"Am Ausgangspunkt für meine Installation stehen die Küchen- und Marktstilleben der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts. Ich beziehe mich vor allem auf das Bild von Peter Aertsen: "Speisekammer mit Maria, Almosen verteilend", 1551.
Wir sehen Schweinskeulen, Würste auf einem weißen Leintuch, das in eine Schmalzschüssel hineinhängt, dazu die noch mit Fell behaftete Rinderschnauze, Innereien, geräucherte Heringe, verschiedene Pasteten, totes Geflügel auf einem Korb mit Brot, Brezeln und Fische auf einem Zinnteller. In der Mitte des Bildes, wie bei den flämischen Stilleben so häufig dargestellt, ein biblisches Motiv: die heilige Familie auf der Flucht nach Ägypten: Maria, Almosen verteilend.
Hier gibt der Künstler einen allegorischen Verweis:
Die Gegenüberstellung, der Kontrast von Fleischexzessen und die Armut der Heiligen Familie."
Objekte der Fleischeslust (voluptas carnis), Völlerei und Verschwendung, die die Vergänglichkeit des verführerischen Irdischen versinnbildlichen sollen, werden der biblischen Szene - Maria verteilt Almosen - gegenübergestellt und mahnend aufgezeigt.
In der Werksküche zeige ich eine dem Bild nach empfundene Installation. Das biblische Mittelmotiv wird von mir ausgegliedert und in einem eigenen Raum, also für sich stehend, in einer weiteren Installation mit dem Titel
"DUOME MIO TESORO" gezeigt.
Raum: DUORME MIO TESORO: (Peter Aertsen: "Maria, Almosen verteilend - die Flucht nach Ägypten"):
Ich nehme Ägypten nicht als geografische Bezeichnung, vielmehr als Symbol für die äußere Welt, für das Leben in der Fülle der materiellen Erscheinungsformen. Der Weg also durch eine Sphäre der Gottesferne. Die "Ruhe auf der Flucht" - ein Moment des Innehaltens auf den beschwerlichen Wegen des Lebens.
Ich bereite eine RUHESTATT, ein Bettzeug aus "schreiender", bestickter Seide.
Der "Hintersinn", der in den mit biblischen Motiven ausgestatteten Küchenbildern verborgen war, wurde im 16. Jahrhundert allgemein erkannt und verstanden.
MULTIS DOCTA PLACET (eine Küche mit tieferem Sinn gefällt vielen).
Als Stillleben im heutigen Sinn wurden diese Bilder nicht gesehen.
In meiner Installation in der Werksküche wird also gekocht werden und jeder "auf der Flucht" kann innehalten und gesättigt weiterziehen.
Bella Ban I "CAPITATIO BENEVOLENTIAE" (gunstgriff)
Zwischen dem Innenraum der Kapelle in Harbach und einem
kleiner leerstehender Raum im Keller entsteht eine atmosphärische Korrespondenz - zwischen
der Madonna mit Christus und dem Thema Hände.
Materialien: Metall, Glas, Schatten, Licht, Gips ...
Bella Ban II
stillstandstill
Skulpturen (Viktor Rogy) im Klostergarten
Nirostatische - architektonische Teilgestalten des
Café OM in klagenfurt (Pernhartgasse 12) ziehen aus ins Freie von Harbach und werden als Skulpturen aufgestellt.
Judith Lava
"verbotene Früchte"
VIDEOINSTALLATION IM KELLERGESCHOSS
Elemente: DVD, Leinwand, Videobeamer, DVD-player, Boxen,
Sitzgelegenheit mit Pölstern, vorhandenes Regale mit Kompottgläsern gefüllt
Titel: „Verbotene Früchte“
Inhalt:
Das Weibliche, das Sinnliche und Gefühlvolle hat dem Schloss Harbach in seiner Vergangenheit entweder gefehlt oder es durfte sich nicht nach aussen hin entfalten. Zur Zeit der nationalsozialistischen Knabenanstalt war keine Frau anwesend. Die katholischen Schwestern kümmerten sich um die „gefallene Mädchen und Sünderinnen“ .
Diese Thematik nehme ich in meiner Videoarbeit auf. Ich verwende vorwiegend symbolische Bilder, die auf einer poetischen Ebene wirken. Auf der einen Seite betrachte ich das Gefühl der Unerreichbarkeit, der Verlockung, und der Kontrolle über die Macht der Weiblichkeit. Auf der anderen Seite zelebrieren positive Bilder die Sinnlichkeit und das Gefühlvolle und versuchen so, dem Ort diese verdrängten Teile wieder zurück zu geben.
Die Videoinstallation befindet sich im Keller - der Platz, wo sich die verschlossene, verdrängte und dunklen Dinge befinden.
Die Kompottgläser, die ich in die vorhandenen Regale stelle, sind ein physischer Bezug auf die Negation der Weiblichkeit – sie haben keine Verwendung gefunden, sondern wurden weggeschlossen.